Nach 25 Jahren abgeschlossen: Die Inventur europäischer Spannerfalter

Nach 25 Jahren abgeschlossen: Die Inventur europäischer Spannerfalter

Ein internationales Forscherteam hat in den letzten 25 Jahren die wissenschaftlichen Grundlagen der europäischen Spannerfalter, der zweitgrößten Familie der Schmetterlinge, erforscht und in einem sechsbändigen Werk “The Geometrid Moths of Europe“ veröffentlicht. Der sechste und letzte Band wurde Anfang Juni auf dem europäischen Kongress für Lepidopterologie im süditalienischen Campobasso vorgestellt.

Thalera fimbrialis, eine Spannerart, die in Deutschland beheimatet ist. (Foto: Peter Lichtmannecker)

Die nachtaktiven Spannerfalter sind mit knapp 1000 Arten in Europa, von denen über 430 Arten auch in Deutschland vorkommen, die zweitgrößte Familie unter den Schmetterlingen. Bekannt vor allem als Schädlinge (z.B. Frostspanner), spielen die Spanner auch eine nicht zu unterschätzende Rolle als Teil der Nahrungskette. Sie bilden die unverzichtbare Lebensgrundlage vieler Vögel und Fledermäuse. Dennoch war diese Tiergruppe in Europa bisher nur unzureichend erforscht.

Diese Lücke wurde nun geschlossen:

Ein internationales Forscherteam hat während der letzten 25 Jahre die wissenschaftlichen Grundlagen wie z.B. Morphologie, Verwandtschaftsbeziehungen, Verbreitung, Ökologie und Lebensweise dieser Insektengruppe erforscht. Es hat seine Ergebnisse in einem nun sechsbändigen Werk “The Geometrid Moths of Europe“ in den Verlagen Apollo Books und Brill publiziert. Der abschließende Band konnte kürzlich auf dem europäischen Kongress für Lepidopterologie im süditalienischen Campobasso vorgestellt werden. Neben Kollegen aus Dänemark, Finnland, Estland und Russland waren vier deutsche Forscher als Autoren beteiligt: Dr. Axel Hausmann aus der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), Dr. Hossein Rajaei aus dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, Sven Erlacher vom Naturkundemuseum Chemnitz sowie Dr. Bernd Müller aus Berlin.

Idaea muricata, eine Spannerart, die in Deutschland beheimatet ist. (Foto: Peter Lichtmannecker)

Mit einem Gesamtumfang von 3.652 Seiten, 119 Farbtafeln und Tausenden von Detailabbildungen wird diese Buchreihe sicherlich für lange Zeit als Standardwerk gelten können. Modernste Methoden flossen hierbei mit ein, wie zum Beispiel das „DNA Barcoding“, eine genetische Typisierung aller Tierarten ähnlich dem Fingerprinting in der Forensik. Bisher konnten schon für 99% aller europäischen Spannerfalterarten derartige „DNA Barcodes“ erstellt werden. Die Erforschung der Artenvielfalt, auch „Biodiversität“ genannt, spielt eine wesentliche Rolle für ein Verständnis unserer Umwelt, ohne welches jede Bemühung um deren Schutz ins Leere läuft. Schon der Kirchenlehrer Augustinus lehrte uns: Was man nicht kennt, wird man nicht lieben. Und wenn man die Natur nicht liebt, wird man sie nicht schützen.

Publikationen der 6 Bände der Buchreihe:

Hausmann, A. (2001): Introduction. Archiearinae, Orthostixinae, Desmobathrinae, Alsophilinae, Geometrinae. In A. Hausmann (ed.): The Geometrid Moths of Europe 1: 1–282. Apollo Books, Stenstrup.

Mironov, V. (2003): Larentinae II. In Hausmann, A. (ed.): The Geometrid Moths of Europe 4: 1–464. Apollo Books, Stenstrup.

Hausmann, A. (2004): Sterrhinae. In A. Hausmann (ed.): The Geometrid Moths of Europe 2: 1–600. Apollo Books, Stenstrup.

Hausmann, A. & J. Viidalepp (2012): Larentiinae I. In Hausmann, A. (ed.): The Geometrid Moths of Europe 3: 1–743. Apollo Books, Vester Skerninge.

Skou, P. & P. Sihvonen (2015): Ennominae I. In Hausmann, A. (ed.): Geometrid Moths of Europe, vol. 5, pp. 1–657. Brill, Leiden.

Müller, B., Erlacher, S., Hausmann, A., Rajaei, H., Sihvonen, P. & P. Skou (2019): Ennominae II. – In A. Hausmann, P. Sihvonen & H. Rajaei (eds): The Geometrid Moths of Europe 6: 1–906. Brill, Leiden.

                
Kontakt:

Dr. Axel Hausmann
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstr. 21, 81247 München
E-Mail: hausmann.a@snsb.de
Tel.: 089 8107 158

Twitter: @SNSB_Aktuell