DNA-Bibliothek der Grabwespen veröffentlicht

DNA-Bibliothek der Grabwespen veröffentlicht

München, 14.01.2019

Die Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM) hat einen weiteren großen Erfolg zu verzeichnen: 661 Arten von Grabwespen, nahe Verwandte der Bienen, wurden durch DNA-Barcoding genetisch erfasst. Zusammen mit Kollegen aus der Tschechischen Republik, Bulgarien und Kanada haben ZSM-Wissenschaftler die Ergebnisse eines internationalen Projektes zur Erstellung einer genetischen Bibliothek der Grabwespen in der sehr renommierten Fachzeitschrift Molecular Ecology Resources veröffentlicht.

Kreiselwespe (Bembix sp.). Photo: Huw Roberts

Von den 661 untersuchten Grabwespen-Arten kommen 578 Arten in Europa, 240 Arten auch in Deutschland vor. Mit der aktuellen DNA-Barcoding Studie liegen nun von knapp 90% der heimischen Grabwespen-Arten genetische Kennsequenzen vor. „Dies ist die weltweit erste umfassende genetische Katalogisierung dieser Tiergruppe. Sie sind nahe mit den Wildbienen verwandt und sind im Naturhaushalt als natürliche Gegenspieler von Schadinsekten von großer Bedeutung“ erläutert Dr. Christian Schmid-Egger, verantwortlich für die Grabwespenstudie. „Viele Grabwespen ernähren ihre Larven mit Blattläusen, Wanzen oder anderen Schadorganismen“, sagt der Forscher. Untersuchungen an weiteren Wespengruppen werden folgen und in Kürze werden sich alle in Deutschland heimischen Bienen und Wespen durch die Methode des DNA-Barcoding einfach und sicher bestimmen lassen.

Für die Studie wurden fast 4.000 Exemplare von den Wissenschaftlern ausgewertet. “Durch derartige Untersuchungen des heimischen Artenbestandes erfassen wir erstmals auch die vielen unscheinbaren, wenig bekannten Arten und entdecken und charakterisieren in Deutschland tausende neuer Tierarten”, sagt Dr. Stefan Schmidt, Projektleiter im DNA-Barcoding-Projekt der ZSM.

Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen der Projekte “Barcoding Fauna Bavarica” und „German Barcode of Life“. In diesen Projekten ermitteln die Münchner Forscher genetische Kennsequenzen aller bayerischen, beziehungsweise deutschen Tierarten und stellen sie in einer Online-Bibliothek Fachleuten und der Öffentlichkeit frei zur Verfügung. Das Projekt ist Teil des “International Barcode of Life” Projektes mit Sitz in Kanada. Es verfolgt das ehrgeizige Ziel, alle Tierarten weltweit genetisch zu erfassen.

Bisher wurden von den Münchener Forschern Kennsequenzen von weltweit etwa 50.000 Tierarten erstellt. Die Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM) hat mit rund einer Viertelmillion Proben zu dem internationalen Projekt beigetragen und ist damit in Europa führend. Bei den Hautflüglern (Bienen, Wespen und Ameisen) liegt die ZSM sogar weltweit ganz weit vorne. “Bisher konnten wir genetische Kennsequenzen von rund der Hälfte der heimischen Hautflügler gewinnen” erklärt Stefan Schmidt und ergänzt: „Die Möglichkeit, Arten durch genetische Kennsequenzen einfach, schnell und zuverlässig bestimmen zu können wird bei zukünftigen Forschungs-Projekten zum Insektensterben von entscheidender Bedeutung sein.”

Die Zoologische Staatssammlung München beherbergt über 22 Millionen zoologische Objekte und gehört, als Teil der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, weltweit zu den größten naturkundlichen Sammlungen. Die DNA-Barcoding-Projekte der ZSM werden finanziell unterstützt durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Publikation

Schmid‐Egger C, Straka J, Ljubomirov T, Blagoev GA, Morinière J, Schmidt S. DNA barcodes identify 99 per cent of apoid wasp species (Hymenoptera: Ampulicidae, Crabronidae, Sphecidae) from the Western PalearcticMol Ecol Resour2018;00:1–9. doi: 10.1111/1755-0998.12963

Abstract

The apoid wasps have traditionally been regarded as a paraphyletic assemblage of four families (Ampulicidae, Crabronidae, Heterogynaidae and Sphecidae) that are closely related to the bees (Anthophila). The present study covers the three families of apoid wasps known to occur in Europe, that is, the Ampulicidae, Crabronidae and Sphecidae. DNA barcode sequences of 3,695 specimens of apoid wasps were analysed for the present study, including 21 specimens of Ampulicidae, 3,398 Crabronidae and 276 Sphecidae. The sequences of the dataset represent 661 species of apoid wasps, including two species of Ampulicidae, 613 of Crabronidae and 46 species of Sphecidae. The dataset includes DNA barcodes of 240 species of German apoid wasps, representing 88% of the German fauna, and 578 European species, representing 65% of the European apoid wasp fauna. The study demonstrates that virtually all species of the three examined families can be reliably identified by DNA barcodes. The implications of highly congruent results between traditional taxonomy and DNA barcoding for the reliable application of DNA‐based identifications are discussed.