Geschichte der Sektion Hemiptera
Zu den ältesten Teilen der Sammlung gehört das wissenschaftlich sehr wertvolle Material, das Ritter Johann Baptist von Spix auf seiner Südamerikareise von 1817 bis 1820 gesammelt hat, und das von M. Perty bearbeitet wurde. Auch die 1874 angekaufte Sammlung der Gebrüder Sturm enthielt viele Heteropteren.
Es gab keinen Wissenschaftler der ZSM, der sich speziell mit Heteropteren oder Orthopteren beschäftigte. Die entsprechenden Bestände wurden lediglich von anderen Konservatoren oder Präparatoren mitbetreut. Zudem sind Teile der Heteropteren Sammlung im Zweiten Weltkrieg in der Alten Akademie in der Neuhauser Straße verbrannt. Erst mit der Einstellung von F. Kühlhorn (1951) und H. Freude (1952) wurden die Bestände an Heteropteren und Orthopteren intensiver beachtet. H. Freude sammelte vor allem einheimische und mediterrane Wanzen. Nach dem Ausscheiden von H. Freude wurde die Heteropteren zunächst von G. Scherer danach von E.-G. Burmeister verwaltet. Für die Orthopteren war nach dem Ausscheiden von F. Kühlhorn sein Nahchfolger F. Reiss verantwortlich.
Die beiden Sammlungsteile wurden im Jahre 1982, mit der Einstellung von Martin Baehr, zu einer neuen Sektion zusammengefasst und erstmals durch einen Wissenschaftler hauptamtlich betreut. Zunächst verblieben allerdings die aquatischen Heteropteren in der Sektion Aquatische Insekten (diese wurden erst 2003 in die Sektion Hemiptera eingegliedert). M. Baehr betreute die Sektion bis 1994, seitdem ist Klaus Schönitzer Leiter der Sektion. Als Präparatorin arbeitete Frau I. Graber in der Sektion bis 1996. Sie stellte nach dem Umzug in das neue Gebäude (1985) große Teile der Heteroptera neu auf. Seit 1997 arbeitet Frau T. Kothe als Präparatorin in der Sektion. Sie stellte die Zikaden sowie viele weitere Sammlungsteile neu auf. Etwa seit 1995 wird die Sammlung so weit als möglich in Datenbanken erfasst.
Neuere bedeutende Sammlungsteile sind insbesondere die Sammlungen von F. Lughofer (1891 - 1974), H. H. Weber (1909-1988) und G. Seidenstücker (1912 - 1989). Die Sammlung Seidenstücker enthält etwa 90.000 (meistens bestimmte) Heteroptera vor allem aus Mitteleuropa und der Türkei.
Viel Material aus Australien wurde durch M. Baehr gesammelt. In den letzten Jahren ist auch viel Material aus Südamerika eingegangen. Bemerkenswert ist vor allem Material aus der Station “Panguana” im Amazonas-Regenwald von Peru.
Wichtige neuere Sammlungseingänge
1997: tropische Zikaden und Heteropteren von Herr Dipl.-Ing. Heinrich Schaefer.
1997: bayerische Zikaden aus dem Nachlass von Dr. Kurt Harz.
1999: Sammlung von Pfarrer Georg Necker mit insgesamt ca. 13.000 determinierten und 16.000 undeterminierten einheimischen Heteropteren. Diese Sammlung ist damit ein wichtiger Beitrag zur Faunistik der bayerischen Wanzen!
Literaturhinweise:
Baehr, M.(1992) Die Sektion Rhynchota der Zoologischen Staatssammlung München. Spixiana Suppl. 17: 108-111.
Burmeister, E.-G. (1983) Vorläufige Erfassung einiger von J. B. v. Spix und C. F. Ph. v. Martius in Brasilien gesammelter Insektengruppen aus der Zoologischen Staatssammlung München, die von M. Perty bearbeitet wurden. Spixiana Suppl. 9: 265-281.
Heiss, E. In memoriam Gustav Seidenstücker, einem bedeutenden deutschen Entomologen (1912-1989). Nachr.Bl. bayer. Ent. 39: 65-70.
Kothe, T., G. Blazi & K. Schönitzer (2004): Katalog der Wanzen-Typen von Gustav Seidenstücker (1912 - 1989) in der Zoologischen Staatssammlung München (Heteroptera). 61. Bericht der Naturforschenden Ges. Augsburg (219) 1-90.