Highlights Mollusken

Highlights Mollusken

Sektion Mollusca

Highlights der Sektion Mollusca

2006

Huinay Fjord Expedition

Es gibt sie noch: Manche Regionen dieser Erde wurden noch niemals zuvor biologisch erforscht, ja noch nicht einmal von Menschenaugen gesehen. Dr. Roland Melzer (Sektion Arthropoda varia) und Dr. Michael Schrödl (Mollusca) vom GeoBioCenter der LMU München waren Teilnehmer der ersten internationalen Tauchexpedition in die unberührte Unterwasserwelt der südlichen Fjorde Chiles. Der teils wilde Ritt auf der “Yepayek”, dem Patrouillenkutter der chilenischen Nationalparkbehörde CONAF, hat sich gelohnt: Im eisigen Wasser warteten bunte Wiesen fedriger Gorgonien und eine Vielzahl unbekannter Tierarten auf ihre Entdeckung. Taucherische und biologische Höhepunkte bildeten die senkrecht in die Tiefe stürzenden Felswände mit prächtigen Anemonen, bizarren Gorgonenhäuptern und hungrigen Nacktschnecken. An flacheren Stellen zeigte sich eine spektakuläre, von roten Hydrokorallen geprägte, aber durchaus vielfältige Bodengemeinschaft: völlig neu für die Wissenschaft. Die artliche Zusammensetzung der in ihrer Farbenpracht eher an tropische Riffe als an Kaltwasserbiotope erinnernden Fjordsysteme wird derzeit anhand der über 1000 entnommenen Proben untersucht. Diese Daten sollen die Grundlage für die Errichtung großer Meeresnationalparks bilden.

Gorgonenhaupt (Gorgonocephalus chilensis) auf roten Hydrokorallen (Errina antarctica). Foto: M. Schrödl

Die Meeresnacktschnecke Flabellina falklandica auf Tiefwassermuscheln (Acesta patagonica), die an den patagonischen Fjordwänden bis in Tauch”höhe” aufsteigen. Foto: M. Schrödl

In den südlichen Fjorden ernährt sich Tritonia odhneri (Nudibranchia) von peitschenförmigen Gorgonien (Octocorallia)

Zufall oder Zeichen für globalen Klimawandel? Teamfoto vor schmelzendem Bernardo-Gletscher, einem Ausläufer des riesigen südlichen patagonischen Inlandeises. Wohl nur einige Stunden vor unserer Ankunft überschwemmte eine Flutwelle den Talgrund und warf meterhohe Eisberge auf die Wiesen, auf denen sonst die seltenen Huemule (südandine Bergziegen) weiden. Der kilometerbreite, reißende Strom aus Schmelzwasser blieb über Nacht bestehen, die Wasserhöhe nahm jedoch um gut einen weiteren Meter ab. Foto: Huinay Fiordos Expedition 2006.

 

Zufall oder Zeichen für globalen Klimawandel? Teamfoto vor schmelzendem Bernardo-Gletscher, einem Ausläufer des riesigen südlichen patagonischen Inlandeises. Wohl nur einige Stunden vor unserer Ankunft überschwemmte eine Flutwelle den Talgrund und warf meterhohe Eisberge auf die Wiesen, auf denen sonst die seltenen Huemule (südandine Bergziegen) weiden. Der kilometerbreite, reißende Strom aus Schmelzwasser blieb über Nacht bestehen, die Wasserhöhe nahm jedoch um gut einen weiteren Meter ab. Foto: Huinay Fiordos Expedition 2006.

2009

Neues von den Urmollusken

2011

“Bye bye Opisthobranchia” (und auch gleich “bye bye Pulmonata”)

Rätsel um Top Ten Schnecke geklärt

2012

9 Wochen durch die “furious fifties” — im Dienste der Tiefsee-Mollusken

“Mega-Expedition” zu einem Zentrum der Biodiversität (Papua Niugini 2012-2013

2013

Auszeichnung für Doktoranden der Molluskensektion der ZSM

2014

Schwabe Organ

2015

Meeresnacktschnecken auf Landgang

Da ist er also, Aiteng marefugitus, der erste Meeresnacktschneck an Land! Auf einer von tropischem Urwald bedeckten Insel im Palau Archipel fanden unsere japanischen Kollegen ein paar kleine seltsame Nacktschnecken. Sie erinnerten entfernt an heimische, „nackige“ Landlungenschnecken, tragen aber keine typisch länglichen Tentakel mit Stielaugen darauf.

Unsere anatomisch-histologischen und molekularen Daten (Kano et al. 2015) belegen, dass die neue, terrestrische Schneckenart zur Familie der Aitengidae gehört. Dies ist eine erst 2009 entdeckte Gruppe von Meeresschnecken (Acochlidien), die die Gezeitenzone als Lebensraum eroberte. Der Landgang erfolgte unseren molekularen Analysen nach direkt vom Meer über die Gezeitenzone ans Land. Also nicht, wie sonst bei Schalenschnecken üblich, über Süßgewässer als Übergangs-Lebensraum. Wie ihre marinen Vorfahren ernährt sich die neue Nacktscheckenart vermutlich von Eiern oder Puppen von Insekten oder auch von Eiern anderer Schnecken. Vor Wasserverlust ist sie in der feuchten Streu der Regenwälder geschützt. Aiteng marefugitus besitzt außerdem ein speziell ans Landleben angepasstes Exkretionssystem. Diese erste Land-Nacktschnecke ganz ohne Lunge absorbiert wohl ausreichend Sauerstoff über die Körperoberfläche.

Acochliden sind eine der morphologisch und ökologisch vielfältigsten Schneckengruppen, bei übersichtlicher Artenzahl. Deshalb haben wir sie vor Jahren als „Modellgruppe“ für intensivere, vergleichend anatomisch evolutionäre Forschung ausgewählt. Dass Acochlidien offensichtlich den Landgang schafften, überraschte selbst uns ein wenig.

KANO, Y., NEUSSER, T.P., FUKUMORI, H., JÖRGER, K.M. & SCHRÖDL, M. 2015. Sea-slug invasion of the land. Biological Journal of the Linnean Society 116: 253-259. (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bij.12578/abstract)

2016

Da geht was, in der Münchner Malakologie!

Ringipleura – unsere neueste Meeresnacktschnecken-Revolution

James Cameron gratuliert Vreni Häussermann – ZSM alumna – zum Rolex Award