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Sammlungsbestände der Sektion Herpetologie

Mit mehr als 150.000 Exemplaren gehört die herpetologische Sammlung der ZSM zu den größten in Deutschland und in der Welt. Nach Schätzungen von Gruber (1992) umfasste die Sammlung etwa 29600 Amphibien und 110400 Reptilien. Seit 1998 sind mehr als 15.000 Individuen bzw. Inventarisierungseinheiten (Kaulquappenserien) hinzugekommen und in einer elektronischen Datenbank erfasst. Der größte Teil dieser Zuwächse entfällt auf den neuen Sammlungsschwerpunkt Madagaskar/Komoren (mehr als 8000) und die Sammlung Schmidtler (> 5000), die überwiegend Exemplare aus Südosteuropa und Vorderasien enthält.

Die Sammlung umfasst zwei Magazine, eines für Schlangen sowie eines für alle anderen Reptilien und Amphibien. Familien sind nach verwandtschaftlichen Beziehungen geordnet. Innerhalb einer Familie sind die Gattungen und Arten alphabetisch sortiert. Die Sammlungsbestände sind seit den Aufsammlungen von Spix (1820) in 11 handgeschriebenen Eingangskatalogen erfaßt. Parallel zu den Eingangskatalogen existiert eine Artenkartei auf Karteikarten. Seit 1998 werden die Neuzugänge nur noch in einer elektronischen Datenbank erfasst und jedes Individuum erhält eine eigene Katalognummer und ein Anbindeetikett. Der überwiegende Teil der Sammlung besteht aus Alkoholpräparaten. Daneben existieren umfangreiche Skelettsammlungen (Krokodilschädel, Schildkrötenskelette, einige Echsen und Amphibien). Außerdem verfügt die Sektion über eine große Sammlung von Reptilien- Eischalen und Häutungen. Geographische Sammlungsschwerpunkte sind Europa, Madagaskar, Türkei und Griechenland, Südamerika und Südostasien. Größere Aufsammlungen aus verschiedenen Ländern Südamerikas (Venezuela, Brasilien) und Südostasien (Sumatra, Borneo, Sulawesi) sind wissenschaftlich noch unbearbeitet. Es ist vorgesehen, in Zukunft einige vollständig EDV-erfasste Sammlungsteile in HerpNET öffentlich zugänglich zu machen. Typenregal

Trotz großer Verluste im zweiten Weltkrieg umfasst die Sammlung derzeit Primärtypen von 283 Taxa, wovon fast 70 aus Neubeschreibungen in den letzten 10 Jahren resultieren. Über 100 weitere, identifizierte neue Arten befinden sich bereits in der Sammlung und warten auf ihre wissenschaftliche Erstbeschreibung. Mit der Publikation des Typenkatalogs der Reptilien in der ZSM (Franzen & Glaw 2007) wurde die sehr zeitaufwändige Aufarbeitung der vorhandenen und der im Krieg zerstörten Typenbestände abgeschlossen. Der entsprechende Typenkatalog der Amphibien wurde bereits 2006 publiziert (Glaw & Franzen 2006).Die Typen von Spix und Wagler wurden bereits von Hoogmoed & Gruber (1983) ausführlich bearbeitet. Abbildungen der meisten Primärtypen können unter GBIF-Vertebrata abgerufen werden.

Zu den meisten Neuzugängen liegen umfangreiche Begleitdaten vor (genaue Fundortkoordinaten, viele Lebendfotos und Rufaufnahmen bei Fröschen). Von fast allen Individuen aus Madagaskar und von den Komoren sowie vielen weiteren sind Gewebeproben vorhanden und DNA-Sequenzen vieler Tiere sind bereits in Genbank veröffentlicht. Viele weitere DNA-Belege werden durch DNA barcoding Projekte über die Reptilien Madagaskars, die Herpetofauna der Komoren und durch das Projekt "Barcoding Fauna Bavarica" hinzukommen.

International herausragend ist inzwischen auch die Kaulquappensammlung der ZSM. Durch intensive Anwendung von DNA barcoding (auf der Basis von 16S-Sequenzen) sind die Kaulquappen von zahlreichen madagassischen Arten inzwischen identifiziert und zum Teil auch schon beschrieben worden (>50 Arten auf der Basis von ZSM-Material).

Literatur

Franzen, M & F. Glaw (2007): Type catalogue of reptiles in the Zoologische Staatssammlung München.- Spixiana 30 (2): 201-274

Glaw, F. & M. Franzen (2006): Type catalogue of amphibians in the Zoologische Staatssammlung München.- Spixiana 29 (2): 153-192

Gruber, U. (1992): Die Sektion Herpetologie (Lurche und Kriechtiere) der Zoologischen Staatssammlung München.- Spixiana, Suppl. 17: 126-132

Hoogmoed, M. S. & U. Gruber (1983): Spix and Wagler type specimens of reptiles and amphibians in the Natural History Musea in Munich (Germany) and Leiden (The Netherlands).- Spixiana, Suppl. 9: 319-415