Geschichte

Geschichte

Sektion Coleoptera

Den Grundstock der Coleopteren-Sammlung bilden die umfangreichen, durch M. Perty bearbeiteten Aufsammlungen von J. B. von Spix und K. F .P. Martius während ihrer berühmten Reise nach Brasilien (1817-1820). Die Ergebnisse dieser Reise begründeten auch einen der geographischen Schwerpunkte der Sammlung, nämlich die Käfer der neotropischen Region. Perty verließ jedoch bereits 1833 München und erst mit J. Roth arbeitete seit 1843 erneut ein Coleopterologe an der Sammlung.

Bereits 1849 kam auch M. Gemminger als Kustos an die Sammlung und blieb hier bis zu seinem Tode 1887. Unter ihm nahm die Käfersammlung einen ersten bedeutenden Aufschwung. Obgleich J. Kriechbaumer als Nachfolger für den 1858 verstorbenen J. Roth eingestellt wurde, interessierte dieser sich vornehmlich für die Hymenopteren. So blieb die Coleopterensammlung nach M. Gemmingers Tod fast 40 Jahre lang verwaist und führte einen Dornröschenschlaf.

Erst mit der Anstellung von H. Kulzer als Präparator im Jahr 1920 wurde die Sammlung erneut von einem Coleopterologen betreut. Auf Kulzer geht ein Großteil der Ordnungsarbeiten in modernerem Stil zurück. Nach Kulzers Pensionierung 1948 wurde H. Freude zunächst Assistent und ab 1952 Konservator. Seit dieser Zeit datiert auch die Einteilung der Entomologie nach Sektionen.

Auf H. Freude folgte 1973 G. Scherer, der die Sammlung bis 1994 leitete, seither liegt die Leitung in den Händen von M. Baehr, der vorher die Hemiptera und Orthopteroidea betreut hatte. Beide, H. Freude und G. Scherer, führten umfangreiche Aufstellungsarbeiten durch, die zunächst durch die beengten räumlichen Verhältnisse im Nymphenburger Schloß und durch den Mangel an geeigneten Kästen behindert wurden. Erst nach der Übersiedlung ins das neue Gebäude (1985) verbesserte sich die Situation entscheidend und heute ist ein Großteil der Bestände übersichtlich aufgestellt.

Dieser kurze Abriß verdeutlicht, daß die Geschichte der Coleopterensammlung durchaus nicht kontinuierlich verlaufen ist. Das Fehlen von an den Käfern interessierten Betreuern über lange Jahre hat den Aufbau der Sammlung zu einer Zeit zurückgeworfen, als die Entomologie blühte und vergleichbare Sammlungen enorm wuchsen. Die verschiedenen Interessen der Konservatoren haben der Sammlung allerdings auch genützt, denn dadurch wurden immer wieder andere Käfergruppen bevorzugt gesammelt und bearbeitet.

Daher bildet die Sammlung heute eine recht ausgewogene Mischung aus den verschiedensten systematischen Gruppen und von sehr unterschiedlicher Provenienz. Gewisse systematische Schwerpunkte sind geblieben, etwa die Heteromera, die Wasserkäfer und die Cetoniinae, auf Grund des Erwerbs so bedeutender Sammlungen wie derjenigen von C. Müller, A. Zimmermann und H. Schein. Auf die Bearbeitungen durch die Konservatoren gehen außerdem die gut bestückten Sammlungen von Monommidae und Teilen der Tenebrionidae (H. Freude), Chrysomelidae-Alticinae (G. Scherer) und australischen Carabidae (M. Baehr) zurück.

Seit einiger Zeit wird eine Larvensammlung aufgebaut, die bisher vor allem reichhaltiges Material der Chrysomelidae (Dr. W. Steinhausen) und Carabidae (Prof. Dr. E. Arndt) enthält.