Warum Namenspatenschaften?

Neueste Untersuchungen lassen vermuten, daß erst etwa 5 bis 10 Prozent aller Tierarten bekannt sind. Die Zoosystematik betritt hier ständig wissenschaftliches Neuland und schafft die unabdingbare Voraussetzung, dass diese Arten bekannt werden, bevor sie vielleicht verschwunden sind. Die Mitarbeiter der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) haben unter anderem die Aufgabe, neuentdeckte Arten zu beschreiben und sie damit Wissenschaft und Artenschutz zugänglich zu machen. Leider läßt die schwierige finanzielle Lage derzeit nicht annähernd jene Aktivität zu, die aufgrund des teilweise erschütternd geringen Kenntnisstandes und der potentiellen Gefährdung der Tierarten nötig wäre.

Aber: Man kann nur schützen, was man kennt !

Hier bietet sich nun für Sie die einmalige Gelegenheit, sich selbst, eine andere Person oder eine Institution mit der Vergabe eines neuen Namens im wahrsten Sinne des Wortes zu "verewigen". Für einen vergleichsweise geringen Betrag (Privatpersonen mind. DM 5.000.-; Firmen oder Institutionen mind. DM 10.000.-), der als gemeinnützige Spende auch steuerlich abgesetzt werden kann, bieten wir:

Die Benennung einer neu zu beschreibenden Tierart nach Ihrem Vorschlag. Während sich der Gattungsname (entspricht etwa unserem Familiennamen) meist aus der Verwandtschaft der neuen Art ergibt, können Sie bezüglich des Artnamens (entspricht dem Vornamen) frei bestimmen, wem die Ehre zuteil werden soll. Der publizierte (latinisierte) Name wird auf Dauer in die weltweiten Annalen der Zoologischen Systematik eingehen.

Eine künstlerisch hochwertige, farbige Originalabbildung "Ihrer" Tierart im A4-Format.

Zehn Sonderdrucke jener wissenschaftlichen Arbeit, in der "Ihre" neue Art beschrieben und als Farbdarstellung abgebildet ist.

Die Überreichung der Originalabbildung samt Urkunde im feierlichen Rahmen samt Pressemitteilung, sofern Sie dies wünschen (wir können auch diskret sein).

Lassen Sie sich diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen, sich selbst, einer anderen Person oder Institution ein nicht alltägliches Denkmal zu setzen. Mit Ihrer Spende setzen Sie wie bereits 20 Namenspaten vor Ihnen ein Signal zugunsten einer noch immer stark unterschätzten, aber täglich aktuelleren wissenschaftlichen Disziplin.

Für nähere Auskünfte stehen gerne zur Verfügung:

Prof. Dr. Gerhard Haszprunar (Direktor), Herr Erich Diller (Geschäftsführer der "Freunde der ZSM" e.V.). Zoologische Staatssammlung München, Münchhausenstraße 21, 81247 München. Tel.: (089) 8107-0; Fax: (089) 8107-300.

Mehr Hintergrundinformationen zu diesem Thema:

Systematik braucht Partner - die Namenspatenaktion der Zoologischen Staatssammlung München

Die Erschließung der Biosphäre, die Erfassung und Dokumentation der lebenden Organismenarten, ist angesichts der weltweiten massiven Beeinträchtigung und Zerstörung der natürlichen Lebensräume ein vordringliches Ziel unserer Zeit.

Während allerdings die "Systematic Agenda 2000" in den USA bereits jedem Politiker und auch der breiten Öffentlichkeit vertraut ist, hat Europa und hier insbesonders Deutschland trotz erheblicher Anstrengungen gerade in jüngster Zeit noch einen erheblichen Nachholbedarf. Denn eines haben die Pilotprojekte und Abschätzungsstudien des Gesamtproblems trotz erheblicher Schwankungsbreite bereits zweifelsfrei gezeigt: Die Institutionen der Biosystematik alleine mit ihren durch jahrzehntelange Ausdünnung und Beschneidung so stark verkleinerten Personal- und Finanzressourcen werden diese Aufgabe ohne Hilfe von außen nicht bewältigen können.

Die "Systematic Agenda 2000" braucht Partner, weltweit und gerade bei uns in Deutschland. Die Zoologische Staatssammlung München (ZSM) hat sich als staatliches Forschungsinstitut der zoologischen Systematik dieser Aufforderung zur Partnersuche auf breiter Basis konkret gestellt. Zweifellos will der potentielle Partner für seine Zuwendung auch etwas geboten bekommen - und wir haben etwas zu bieten. Es gibt für den Systematiker die Möglichkeit, kleine aber dauerhafte Denkmäler in die Welt zu setzen, konkret Namenspatenschaften für neu zu beschreibende Arten an entsprechende Interessenten zu vergeben.

In der Praxis haben wir uns an der ZSM für folgende Vorgangsweise entschieden. Der Pate erhält nach erfolgter Wahl ”seines” Tieres für eine namhafte Spende (derzeit mindestens DM 5.000,-- bei Privatpersonen, bei Firmen und Institutionen das Doppelte) an unseren Förderverein

(1) eine entsprechende Urkunde, welche die Patenschaft bestätigt,

(2) eine steuerrechtlich gültige Spendenbescheinigung,

(3) eine Farbgraphik ”seines” Tieres im A4-Format und

(4) 10 Sonderdrucke der publizierten Arbeit.

Urkunde und Graphik werden im feierlichen Rahmen überreicht. Das dauerhafte Festschreiben eines Artnamens gegen schnöden Mammon mag manchen Fachkollegen im ersten Augenblick als etwas Ehrenrühriges erscheinen - ich halte diese Aktion im Gegenteil für notwendig, ja überfällig. Übrigens sind viele der klassischen Artnamen in durchaus vergleichbarer Weise zustande ge kommen, nämlich als Dank und Anerkennung für die Förderung (sprich: Finanzierung) systematischer Arbeiten im weitesten Sinn, oder - schon schlimmer - mit dem naheliegenden Hintergedanken, der Geehrte möge diese Finanzierung fortsetzen.

Durch die Dedikation einer neuen Art bedankt sich auch der beschreibende Wissenschaftler im Rahmen der Aktion Namenspaten an der ZSM für eine großzügige Förderung seines Arbeitsgebietes. Selbstverständlich behalten sich sowohl die ZSM als auch die stets auf freiwilliger Basis beteiligten Wissenschaftler ein Vetorecht gegenüber den Namensvorschlägen vor, um Mißbrauch etwa für politische Zwecke auszuschließen.

Die Übernahme und Verwaltung der eingegangenen Spenden durch den satzungsgebundenen Freundesverein unseres Hauses garantiert die 100%ige Verwendung der Mittel für die Belange der zoologischen Systematik, sei es nun ein Literatur- oder Sammlungsankauf, ein Zuschuß zu einer Forschungsreise, oder die Finanzierung eines dringend benötigten Gerätes der sogenannten ”Grundausstattung”.

Ich halte es auch und gerade der Politik gegenüber auf Dauer schlicht nicht vertretbar, einerseits (zwar durchaus berechtigt) ständig Zuschüsse und Etaterhöhungen zu beantragen, zugleich aber konkrete (und erfolgreiche) Versuche des Sponsorings zu verurteilen oder gar mit Häme zu belegen.

Die nunmehr über dreijährige Praxis dieses Versuchs hat mehrere Erfahrungswerte erbracht, die nicht unbedingt voraussehbar waren:

(1) Das Interesse und die Akzeptanz potentieller Paten stieg anfangs vor allem aufgrund diverser Berichte in den verschiedenen Medien massiv an, muss aber immer wieder neu entfacht werden.

(2) Die Medienvertreter haben (im Gegensatz zu manchen Fachkollegen) auf unsere Aktion ohne Ausnahme sehr positiv, teilweise sogar mit Enthusiasmus reagiert. Mehrere Austrahlungen in verschiedenen Rundfunk- und Fernsehanstalten und zahlreiche Artikel in den Zeitungen haben weit über das konkrete Angebot hinaus auch - und ich setze hinzu: vor allem - die grundlegenden Probleme und Anliegen der Biosystematik an sich, und hier insbesonders die Notwendigkeit, neue Arten zu beschreiben, sehr werbewirksam in der deutschen Gesellschaft verbreitet. Meines Erachtens ist diese Bewußtseinsbildung in der breiten Öffentlichkeit die unabdingbare Voraussetzung dafür, auch bei den politischen Entscheidungsträgern für unsere Sache Gehör bzw. notwendiges Verständnis zu finden.

(3) Es machen ganz ”normale” Leute von dieser Aktion Gebrauch, bis dato fast ausschließlich, um einen besonders liebgewonnenen Menschen eine Freude zu machen, ihnen etwas besonderes zu verehren - kann das unehrenhaft sein? Im Gegensatz dazu halten sich die "Stinkreichen" und Firmen bzw. Institutionen zurück. Die Aktion Namenspaten soll die bisherige Dedikationspraxis ”honoris causa” nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Ich halte es auch für essentiell, die Freiwilligkeit der beteiligten Wissenschaftler beizubehalten. Über die Spendenhöhe mag man nach oben oder unten diskutieren, es sollte aber klar sein, daß Namenspatenschaften in der Systematik niemals Massenware werden können und dürfen. Der erste Band mit Arbeiten, die im Rahmen der Aktion "Namenspaten" gelaufen sind, liegt vor (Spixiana, Supplement 22, 1996), ebenso wie weitere Einzelarbeiten in regulären Heften der Spixiana. Sie erfüllen unsere Zusage gegenüber den bisherigen Paten und sollen dem zukünftigen Partner als Belege eines seriösen Angebots dienen. Wenn sie darüber hinaus die Fachkollegen zur Nachahmung anregen - es gibt meines Erachtens genügend potentielle Paten für alle - , so ist das mehr, als wir erwarten dürfen.

München, den 15. März 1999
Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, Direktor der ZSM

Namen im Baum des Lebens - Plädoyer für eine bundesweite Stiftung

Jeder kennt die Situation: Mitarbeiter würden gern zu einer für sie wichtigen Tagung ins Ausland fahren, aber ohne Zuschuß schaffen sie es nicht; man selbst führt eine kleine Tagung durch und braucht Mittel, um einen angenehmen Rahmen schaffen zu können; plötzlich ergibt sich die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Expedition, und man brauchte nur das Geld für die Flugreise; andere unvorhergesehene Möglichkeiten tun sich auf, und man kann sie nicht nutzen, weil eine vergleichsweise geringe Summe nicht aufzutreiben ist.

In solchen Situationen war ein langjähriger Vorsitzender unserer Universitätsgesellschaft jemand, den ich stets um Hilfe bitten konnte. Entweder sprang die Gesellschaft selber ein, oder er sah sich in seinen Bankkreisen nach anderen Möglichkeiten um. Als er aus beruflichen Gründen Oldenburg verließ und den Vorsitz abgab, versprach ich ihm als Dank für seine vielfältige Hilfe ein kleines Geschenk, auf das er allerdings noch eine Weile warten müsse.

Als fast zwei Jahre später der Sonderdruck mit der nach ihm benannten Art da war, konnte ich endlich mein Versprechen einlösen, von dem er angenommen hatte, es sei längst vergessen. Das Geschenk allerdings war ein Volltreffer, wie ich gehofft hatte. Er empfand es als ungewöhnlich, überraschend und als das originellste, das er seit langem erhalten hatte. Seine Freude war spontan, und wenn wir uns jetzt gelegentlich begegnen, erkundigt er sich nach meinen Bemühungen um die Systematik und wünscht mir Erfolg.

Wird es diesen Überraschungseffekt und diese fast als Auszeichnung empfundene Freude bald nicht mehr geben? Inzwischen können als Spende getarnte Artnamen käuflich erworben werden. Wildfremde Menschen, die nie an der Systematik Anteil genommen oder einen Systematiker freiwillig in seiner Arbeit unterstützt haben, können sich ein kleines Stück Exklusivität sichern, wenn sie nicht gerade zu den Ärmsten zählen.

Systematiker andererseits geben ihr Privileg auf, den Namen nur solcher Menschen im Baum des Lebens einzuritzen, denen sie sich aus persönlichen Gründen zu Dank verpflichtet fühlen. Ich nehme an, die Aktion der Zoologischen Staatssammlung München wird bei vielen Betroffenen gemischte Gefühle, wenn nicht gar totale Ablehnung hervorrufen. Ist das berechtigt?

Ich muß gestehen, dieselbe Idee spukte mir schon lange im Kopf herum. Ich wollte etwas für die gesamte Systematik damit machen, nicht bloß für eine einzelne Institution, denn einer solchen stehe ich nicht vor. Noch schien mir die Zeit dafür nicht reif zu sein. Doch nun ist das Eis gebrochen. Hat meine Idee noch eine Chance?

Mir schwebte eine bundesweite Stiftung vor etwa nach dem Modell der "Deutschen Stiftung Denkmalschutz". Diese Stiftung wirbt für konkrete Vorhaben, für die Sicherung, Sanierung und Restaurierung historischer Gebäude vornehmlich in den neuen Bundesländern. Sie gibt eine sehr informative und attraktive Zeitschrift heraus, die alle Spender erhalten und in der sie, in Wort und Bild darüber informiert werden, wofür ihre Spenden eingesetzt worden sind und welche in ihrem jetzigen Zustand abgebildeten Gebäude, Denkmäler oder Kunstgegenstände dringend der Unterstützung bedürfen.

Außerdem wird nebenher erfolgreich für die Ziele des Denkmalschutzes geworben sowie unauffällig Bildungs- und Aufklärungsarbeit getrieben. Für jede Mark, die als Spende eingenommen wird, legt die Bundesregierung noch eine Mark drauf. Auch Systematiker, finde ich, sollten für konkrete Projekte und Maßnahmen um Unterstützung und Spenden werben, nicht Namen verkaufen und den Erlös dann irgendwie nützlich verwenden.

Auf diese Weise werden Defizite nicht weithin sichtbar gemacht, sondern nur Personen, die mit der Sache an sich nichts zu tun haben. Eine Expedition, eine Sammlung, die Aufarbeitung eines bestimmten Materials etc. sollten im Vordergrund stehen. Die Namenvergabe sollte als "Dankeschön", als Zugabe, eingesetzt werden. Wie man das am sinnvollsten macht, darüber wäre zu reden.

Dieses Privileg haben wir allen voraus, die sonst noch um Spenden werben. Mit diesem Pfund könnte gewuchert werden, ohne das Gesicht zu verlieren. Bisher haben wir es nicht genutzt, wie wir ja überhaupt wenig darüber nachgedacht haben, wie wir gemeinsam mehr für uns alle erreichen könnten. Dank des mutigen Schrittes der Münchner könnte jetzt die Diskussion in Gang kommen vielleicht sogar mit dem Ziel, konkrete Planung einzuleiten.

Sinn hätten die aber nur, wenn alle dahinterständen. Also werden zunächst einmal Meinungsäußerungen aus dem Kreis der Systematiker gebraucht. Schreiben Sie mir, was Sie von den hier vorgestellten alternativen Konzeptionen halten. Der Schritt der Münchner, so meine ich, geht in die richtige Richtung, aber vielleicht könnte man noch mehr daraus machen. Die "Deutsche Stiftung Denkmalschutz" hat im letzten Jahr 13,7 Millionen DM an Spenden erhalten. Ich bin nicht so vermessen zu glauben, daß wir da herankämen, dafür ist unser Anliegen vermutlich nicht populär genug. Aber wenn wir an einem Strang zögen und geschickt nachhülfen, wer weiß, vielleicht wären wir erfolgreicher, als wir uns gemeinhin zutrauen.

H.K. Schminke im Sommer 1998