Aktivitäten von Ernst-Gerhard Burmeister

Präsident der Münchner Entomologischen Gesellschaft, Mitglied des Schriftleitungsausschusses der Münchner Entomologischen Gesellschaft, Schriftleiter der Zeitschrift 'Nachrichtenblatt Bayerischer Entomologen' zusammen mit H. Burmeister, Mitglied des Redaktionellen Beirates der 'Lauterbornia' - Zeitschrift für Faunistik und Floristik des Süßwassers'.

Fachreferent für Insekten beim Landesbund für Vogelschutz und für Fragen der biologischen "Schädlingsvermeidung". Beratung des Museums des Solnhofer Aktienvereins. Fachberater und Koordinator für Naturschutzfragen im Rahmen von Beweissicherungsverfahren bei den Unteren und Oberen Naturschutzbehörden und naturschutzfachlichen Vereinigungen.

Naturschutzbeirat der Reg. von Oberbayern (Lkr. FFB). - Fachberater des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen und des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz. Fachberater der Bayer. Ges. f. Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V.. Gutachtertätigkeit im Rahmen der Diplom- und Promotionsprüfungsordnung der Fakultät für Biologie der LMU München und anderer deutscher Universitäten, Gutachten für wissenschaftliche Zeitschriften. Konzeptionelle Tätigkeiten in Verbindung mit Ausstellungen und Tagungen in der ZSM.

Höhepunkte des Jahres 2011

Prof. Dr. Ernst-Gerhard Burmeister

Im Frühjahr 2011 (12.4.-19.4.) führte eine Exkursion nach Südfrankreich, an alte bekannte Fundorte besonders aquatischer Insekten, aber auch an die Gräben bei Rochefort du Gard, Nähe Remoulins, die bereits 1978 und 1979 durch das Vorkommen von Lepidurus apus aufgefallen waren (Burmeister 1982). Dieser Krebs ist durch seine Ursprünglichkeit wie alle Notostraca und durch seine Bindung an temporäre Gewässer besonders gekennzeichnet. Von 1981 bis 2003 wurde dieses Gelände auch im Frühjahr immer wieder besucht. Erstmals wieder konnte 2011 dieser auffällige Schildkrebs in austrocknenden Bachabschnitten gefunden werden. Dabei fiel auf, dass diese Tiere die Abschnitte mieden, die einen dichten Bestand an Fadenalgen aufwiesen und dem Oberflächenablauf aus benachbarten Rebenfelder unterliegen (Eintrag Spritzmittel ?). Innerhalb von 5 Tagen trocknete der Bachabschnitt, in dem die Tiere in großer Dichte beobachtet werden konnten, vollständig aus, wobei die Tiere nicht in tiefere Grabenabschnitte auswichen, sondern in diesem Bereich verendeten. Substratproben, die vermutlich Eier enthalten, wurden entnommen und für entwicklungsphysiologische Studien zur Verfügung gestellt.

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Reise zur Theissblüte nach Nordostungarn, vom 13. bis 18.Juni 2001. Unter "Theissblüte" versteht man das Massenschwärmen der größten Eintagsfliege Palingenia longicauda, das in Europa nur noch an der Theiss beobachtet werden kann. Für jeden limnologisch arbeitenden Entomologen ist dieses einmalige Schauspiel ein Muß. Und so führte der Weg gemeinsam mit dem freien Mitarbeiter der Zoologischen Staatssammlung, Herrn Dr. Stefan Koch, an verschiedene Beobachtungsorte der Theiss, zwischen Tiszafüred und Tokai. Vom Boot aus konnte in der Abenddämmerung beobachtet werden, dass die männlichen Larven deutlich näher am mit Galeriewald bewachsenen Ufer an der Wasseroberfläche erschienen und hier die Subimagines schlüpften. Diese flogen sofort nach dem Schlupf in die Ufervegetation, wo sie angeheftet an Blätter meist in über 2 m Höhe sich zum Imago häuteten. Dieser Akt, der nur wenige Minuten dauerte, hinterließ die weißen Häutungsreste.(Subimaginalhäute) auf den Blättern. Anschließend flogen die Männchen Richtung Flussmitte um dort die Weibchen von unten anfliegend mit den Vorderbeinen zu ergreifen und die Paarung einzuleiten. Die aus den bis 10 cm langen Larvenhäuten schlüpfenden flugfähigen weiblichen Tiere sind Subimagines, die sich im Gegensatz zu den Männchen nicht mehr zur Imago häuten. Immer wieder fielen die Paare auf die Wasseroberfläche, was eine Vielzahl von Fischen auf den Plan rief. Zu späterer Stunde setzte dann der stromaufwärts gerichtete Kompensationsflug der Weibchen ein, die in dichten Wolken knapp über der Wasseroberfläche dem stromaufwärts gelegenen Eiablageorten zustrebten. Bemerkenswerterweise fliegt Palingenia longicauda nicht zum Licht, auch wenn dieses höhere UV-Anteile besitzt, ganz im Gegenteil zum Gemeinen Uferaas Ephoron virgo, das in Europa ebenfalls durch Massenschwärme an Flüssen auffällt (s.a. Staniczek, A. 2003; Eintagsfliegen. - Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde Serie C, 53, 79pp.; Wolf, B., Angersbach, R., Málnás, K., Orosz, A., Gregor, T. 2010: Die Theißblüte - ein ungewöhnliches Naturerlebnis. - Natur u. Museum 140 (3/4), 72-77).

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Östlich des Theissbogens in Nordostungarn befindet sich der bekannte Hortobagy Nationalpark. In einer kleinen Rohbodenpfütze fanden sich sehr zahlreich die Cystobionten Feenkrebse Branchipus grubei und die Ruderwanze Sigara lateralis mit angehefteten sehr großen Deuteronymphen limnischer Milben.

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Massenschwärmen von Ephoron virgo an der Naab im Ortsbereich von Kallmünz (7.8.2011). Angeregt durch Beobachtungen im August 2010 , bei dem das Massenschwärmen der Eintagsfliege Ephoron virgo, im Volksmund vermutlich auf Grund des penetranten Geruches der zigtausend verwesender Tiere am Ufer Uferaas genannt, dokumentiert werden konnte, wurde auch 2011 der Uferbereich der Naab aufgesucht. Dabei galt das besondere Interesse nicht den Eintagsfliegenschwärmen, die durch große verwesende Haufen unter einer nachts beleuchteten Schaufensterscheibe belegt wurden (der Ort liegt ansonsten zu dieser Jahreszeit bewusst in absoluter Finsternis), sondern der besonders seltenen und nur noch hier und am Nebenfluß der Naab, der Pfreimd, gefundenen Köcherfliege Chimarra marginata. Wie 2010 konne auch in diesem Folgejahr die Paarung im Uferbereich, besonders auf Mauern beobachtet werden. Dabei scxharen sich vielfach mehrere Männchen um ein Weibchen und versuchen mit dem Kopf unter die Flügel zu gelangen. Danach findet dann sehr schnell die Ankopplung der Genitalapparate statt, wobei dann meist nur noch ein Männchen beim Weibchen verblieben ist. Die Häufigkeit dieser Köcherfliege, deren räuberische Larven im stark strömendem Abschnitt auf Hartsubstrat gefunden werden konnten, ist besonders bemerkenswert, da bisher nur unpublizierte Einzelfunde vorliegen (Burmeister 2012, im Druck)

Neben der Köcherfliege Chimarra marginata fanden sich noch weitere Arten im Uferbereich und an Lichtquellen und unter den Eintagsfliegen auch die erwähnte Ephoron virgo sowie die seltene Ephemera lineata (s.a. Burmeister 1989).

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Quer durch Südamerika vom 2. bis 22.September 2011. Im Verlauf einer Leserreise der Zeitschrift ‚Bild der Wissenschaft', die der Sektionsleiter als wissenschaftl. Reiseleiter begleitete, wurden verschiedenste Lebensräume dieses faszinierenden Kontinets vorgestellt. So ging es zunächst an den Rio Heath im amazonischen Tiefland, dem Grenzfluß zwischen Peru und Bolivien. Dieser extrem abgelegene Bereich des Regenwaldes zeigt ungeahnte Bereiche, so eine große Fläche mit sehr niedrigem Bewuchs und einzelnen Palmen (Pampa), ein Eiszeitrelikt. So soll der gesamte amazonische Tieflandregenwald während der letzten Eiszeit ausgesehen haben. Sieht man von den Vögeln ab, unter denen die Aras an einer Lehmsteilwand mit Mineralaustritt besonders auffielen, zeigte sich der Regenwald zur bereisten Zeit besonders artenarm, aber auch extrem trocken. Dann wies eine plötzlich kalte und regenreiche Südströmung, die am östlichen Andenrand entlangfegte auf die potentielle Ursache von Trockenheit und Armut an Kleintieren hin. Erst nach Abflauen zeigten sich die gewohnten Bilder von Schmetterlingsschwärmen am Flussufer. Der Besuch des Lago Sandoval wurde durch die Beobachtung besonders erfolgreich jagender Riesenotter gekrönt.

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Als Kontrastprogramm war der Besuch der Guanoinseln vor der Westküste Perus bei Paracas (Islas de Belestas) und Pucusana ausgewiesen. Die unzähligen Seevögel und Robben , wobei erstere auch in zahlreichen Arten auftreten, ergaben ein einzigartiges Schauspiel. Daneben konnten Tümmler, Schwarzdelfine und ein Buckelwal in Ufernähe und in der Brandung vom Boot aus beobachtet werden. Welche Fülle an Seevögeln muss es einst hier gegeben haben, wenn heute nur noch ein kleiner Bruchteil anzutreffen ist. In ufernahen Lagunen fanden sich auch viele Gäste aus Nordamerika, hier als Wintergäste.

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Einer von 11 Flügen brachte die Gruppe ins Zentrum des südamerikanischen Kontinents, ins Pantanal, dem größten Überschwemmungsgebiet der Erde, da der Parana und der Rio Paraguay die Wassermassen nicht schnell genug abführen kann. Hier überlebt noch extensive Viehwirtschaft und naturbelassener Lebensraum im Einklang. Auch hier wieder unzählige Wasservögel, Papageien wie Hyazintharas, Stirnvögel, Tagschläfer, Nachtschwalben und Eulen, die einen Rausch im Betrachter hervorrufen. Daneben eine Fülle von Nachtschmetterlingen, Käfern und Riesenwasserwanzen. Im Uferbereich unzählige Brillenkaimane und Wasserschweine, für die das Gebiet bekannt ist. Als Gegenpol dann das zentralbrasilianischer Hochland nördlich des Pantanal (Chapada de Guimaraes), das von einer eigenen Pflanzenwelt beherrscht wird, dem Cerrado. Die Fülle des Regenwaldes durch seine Tierwelt findet hier seinen Gegenpol in der Fülle an verschiedensten Pflanzen, die auch hier z.T. von Prachtbienen bestäubt werden. Welches Bild am Steilhang des Hochplateaus, ein herabstürzender Wasserfall an dem ein Ara-Paar vorbeizieht.

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Abschließender Höhepunkt waren dann die Iguazu Fälle auf brasilianischer wie argentinischer Seite. Große Russsegler, die die Wasserkaskade durchfliegen, Baumstachler und Blauraben im Gebüsch, aufdringliche Nasenbären und scheue Pekaris sowie farbenprächtige Schmetterlinge an feuchtem Lehm saugend neben der grandiosen Kulisse stürzender Wassermassen in die Basaltspalte.

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Im Verlauf der Sammelreise auf peruanischen Hoheitsgebiet und der anschließenden Beobachtungsreise konnten 209 Vogelarten beobachtet werden. Ein Ornithologe hätte sicher die eine oder andere Art noch hinzufügen können. Hilfestellung bei der Tierbeobachtung gaben allerdings die stets vor Ort zugezogenen einheimischen Führer. Zudem galt ein besonderer Augenmerk den Kleintieren, die sich trotz Kurzzeitbesuchen in den verschiedensten Lebensräumen in großer Vielfalt zeigten, auch wenn diesbezüglich der Regenwald im Amazonasbecken nicht die gewohnte Formenfülle zeigte.